Kupfer – Silber – Salz, Kultur und Wandern, 15. – 17.6.2026
Eine kurze, intensive Kulturreise mit Wanderpassagen war angesagt. Ein neues Format im LAV?
Paul Kaiser kenne ich von Berufes wegen schon seit Jahren. Seit vielen Jahren leitet er Kurztrips in viele europäische Regionen. Immer verbunden mit Wanderungen. Seine Frau unterstützt ihn tatkräftig dabei.
Letztes Jahr, anlässlich eines zufälligen Treffens, hat er mich angefragt, ob der LAV allenfalls Interesse an kulturellen Kurztrips kombiniert mit Wanderungen habe. Warum nicht? Probieren geht über Studieren. Im Vorstand wurde besprochen, wie das Organisatorische ablaufen soll. Kurz darauf sandte Paul die nötigen Infos für die Ausschreibung auf der LAV- Homepage. Für den LAV vielleicht ein kleines Experiment, für Paul Routine. Meine Neugierde war auf jeden Fall geweckt. Ich war gespannt, was mich da erwartet….
1. Reisetag: Innsbruck
Frühmorgens Sammelfahrt zu verschiedenen Einsteigeorten. Anschliessend via Arlberg nach Pians zu Handl- Gastro. Hier gab es ein feines Znüni. Eher kulinarische Reise?
Weiterfahrt nach Innsbruck. Hier übernahm Verena Hasenbach die Führung. Sie führte uns zu den schönsten und geschichtlich interessantesten Orten in der Stadt. Die Geschichte der Habsburger, mittendrin Kaiser Maximilian, wurde wieder lebendig.
Das Mittagessen genossen wir im geschichtsträchtigen Gasthaus Haymon. Eine gute Adresse, die man sich merken muss. Anschliessend besuchten wir die Glockengiesserei Grassmayr. Seit 1599 werden hier Glocken verschiedener Grössen gegossen. Eine Wissenschaft für sich, um den richtigen Klang und Nachhall mittels Grösse/Gewicht/Wandstärke zu berechnen. Handwerk auf höchster Ebene, damit die Glocken mit all ihren Verzierungen wie vom Kunden gewünscht entstehen. Dem folgte noch ein Besuch in der Hof- und Schwarzmanderkirche. In dieser liess Kaiser Maximilian I ein prunkvolles Grabmal für sich errichten.
Das Abendessen genossen wir im Gasthof Tippeler in Schwaz. Wieder feinste Küche wurde geboten. Im Hotel Stay In in Schwaz bezogen wir für beide Nächte unser Nachtlager.
Ja das war ein volles Tagesprogram. Mit vielen urbanen Wanderschritten von Highlight zu Highlight.
2. Reisetag: Schwaz
Heute übernahm Gottfried Winkler, ein äusserst begnadeter Touristenführer, die Leitung. Er kannte alle und alles, was mit der Geschichte im Tirol zu tun hatte. Weiss jemand, wie Kupfer, Silber und Salz in die Berge kamen? Wir jetzt schon, Gottfried hat uns aufgeklärt. Auf dem Fussweg zum Silberbergwerk gab es einen kurzen Besuch in der Kirche St. Martin in Schwaz, erbaut von den Bergknappen. Gleich anschliessend ging die Fahrt mit der Grubenbahn ins Silberbergwerk. Hier untertage fiel uns das Wandern deutlich leichter. Wenn nur nicht die vielen schiefen Treppen wären… Viele Stationen zeigten die damalige Abbauweise. Das Bergwerk wurde erst nach dem zweiten Weltkrieg stillgelegt. Ob das der Stier, welcher die Magd vor 500 Jahren auf das Silbervorkommen hinwies, erahnte? Wohl kaum.
Meist arbeiteten über 4000 Knappen in Dreierschichten in den Stollen. Wieviel Laibe Brote wurden tagtäglich verzehrt? Und wie kamen jene, die von der Arbeit kamen, an denen, die zur Arbeit gingen, in den engen Stollen vorbei? Eine logistische Herausforderung. Das wäre noch heute so!
Bei unserem Mittagessen im traditionellen Restaurant Knappenkuchl neben dem Bergwerk gab es keine solche Herausforderung.
Nach dem Essen sollst du ruhn oder tausend Schritte tun. Wir toppten dies natürlich mit der längeren Wanderung zur Burg Freundsberg, dem Wahrzeichen ob Schwaz. Hier haben wir den verdienten Coupe genossen.
Danach ging es wieder hinunter nach Schwaz. Hier besuchten wir das Franziskanerkloster, das Furggerhaus und… und… und zum Abendessen das Gasthaus Schaller. Wiederum feinste Küche. Wenn das keine kulinarische Reise ist….
Ein zweiter ausgefüllter Tag erlebt.
3. Reisetag
Heute besuchten wir Hall im Tirol. Wiederum eine Stadtführung mit Gottfried Winkler. Er zeigte uns viele wunderschöne Bauten, immer mit dem Zusammenhang zur Kaiserzeit.
Wusstet ihr, dass in Hall das Silber aus Schwaz zu Münzen gegossen und geprägt wurde? Dass der Haller Taler der Nachfolger zur bis anhin bestehenden Goldmünze war? Dass der Haller Taler aufgrund der Hochzeit zwischen Kaiser Maximilian II und seiner Cousine Maria von Spanien den Weg via Spanien nach Amerika fand? Und der Vorläufer des heutigen Dollars ist?
Wie schon für den Kupfer- und Silberabbau wurden täglich 4000 Baumstämme benötigt. Eine immense Menge, die sogar aus dem Engadin nach Hall geflösst wurde. Daher stehen in dieser Einzugsregion mehrheitlich Fichten…
Mittagessen im Gasthof Maria Theresia ob Hall. Nochmals beste Küche.
Die letzte Wanderung dieser Reise führte uns am Fusse des Karwendels durch das Larchtal zur Wallfahrtskirche Maria Larch. Im gleichnamigen Gasthof ein letzter Coupe zum Z`viere.
Nun ging es heimwärts. Dieses Mal über den Arlberg. Unterstrichen mit vielen wissenswerten Infos um die Gampriner Alpe Rautz.
Wohlbehalten sind wir im FL angekommen. Eine kulinarische Reise, getarnt als kulturelle Wandertouren, ist zu Ende.
Herzlichen Dank an Paul und Judith für die perfekte Organisation, an Verena und Gottfried für die Führungen, sowie allen anderen, die diese Reise zum Erlebnis werden liessen.
Übrigens, meine Badezimmerwaage zeigte kein neues Höchstgewicht an. Habt ihr ebenfalls eine Gegenkontrolle gemacht?
Herzliche Grüsse an Alle
Peter Frick